Von Lügen und „Bullshit“
- mail681374
- 16. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Offen gesagt, habe ich mir über diesen Unterschied niemals Gedanken gemacht, bis ich über einen Bericht von Harry G. Frankfurt gefallen bin:
Die Lüge als Zurückweisung der Wahrheit und das erzählen von Blödsinn als umfassende Nichtbeachtung der Wahrheit.
Wir alle möchten authentisch und zivilisiert bleiben, gerade in Debatten und Diskussionen, die in erster Linie von Emotionen als von gemeinsamen Faktenverständnis getrieben werden.
Und wir alle wissen, wie schwierig dies ist!
Wenn wir uns genötigt sehen, über Dinge zu sprechen, von denen wir nichts verstehen, weichen wir sehr häufig auf Blödsinn aus.
Die weit verbreitete Überzeugung, man müsse „zu jedem Thema unter der Sonne“ etwas zu sagen haben oder Position beziehen, erhöht automatisch die Blödsinnrate.
Auch ich erwische mich dabei in Debatten einzusteigen, selbst wenn mein Wissen zu dem Thema bestenfalls für einen Smalltalk reicht.
Doch wann erwische ich mich dabei? In erster Linie bei Gesprächspartnern die mich, aus unterschiedlichsten Gründen, verunsichern oder vor denen ich unbedingt „gut dastehen“ möchte. Dies alles möglichst „auf der gleichen Seite“, um mich nicht ins Abseits zu schießen.
Wenn ich dieses Tatsache im Coaching thematisiere, öffnen sich die meisten Teilnehmer und stimmen zu, dass auch Ihnen dies passiert – oft aus anderen Gründen – aber gleich im Ergebnis. Unsere Anpassungskultur wird größer ; faire, qualifizierte Debatten werden seltener. Eine gesunde Streitkultur mit unterschiedlichen Ansichten ist jedoch Grundvoraussetzung für ein Klima, in dem man gern arbeitet und in der psychologische Sicherheit herrscht.
Wenn mir bewusst wird, dass ich kurz davor bin, meinen unqualifizierten Senf zu einem Thema dazugeben zu wollen, ohne dass ich wirklich Ahnung von der Sache habe, packe ich ganz bewusst eine wertvolle Frage aus: „ Ich habe offen gesagt keine Ahnung von dieser Sache. Können Sie es mir näherbringen?“
Neugierde ist selten geworden in unserer Anpassungskultur. Lieber in Debatten einsteigen, als zugeben, dass man ahnungslos ist, denn „irgendjemand auf unserer Seite“ wird schon eine Meinung zu dem Thema haben!
Trauen Sie sich zu fragen! Trauen Sie sich ahnungslos zu sein! Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiter*innen mehr zu fragen!
Gegen eine Kultur der Anpassung für einen offenen und fairen Austausch mit unterschiedlichsten Meinungen, aber immer mit der Chance dazuzulernen!

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